Von:
Christoph Breit

e-sitzenbleiben.de

Denke ich ans „Sitzenbleiben“ fällt mir immer zuerst der Schulsport ein: Volleyball, die Auswahl der Mannschaften! Egal, wer damals wählen durfte - ich gehörte immer zu denen, die am längsten sitzen blieben. „Dann nehmt ihr ihn halt“. Am Ende der Prozedur galt die Aufforderung immer mir, mich zur ein oder anderen Mannschaft zu gesellen. Ich der Sitzenbleiber, ein Looser! Schlechtes Gefühl…

Als ich später, ein Jahr vor dem Abitur, eine Klasse wiederholen musste, war das Gefühl gleich: Du hast es nicht geschafft, gehörst zu den Verlierern.

Erst nach Jahren habe ich gemerkt, dass Sitzenbleiben für mich auch ein Gewinn war. Das eine Jahr länger Schule war schön. Meine Noten waren besser, das Abi nun gut zum Studieren und die Schulzeit an sich schön im Vergleich zu manchem, was danach kam. Und auch im Schulsport - ich hatte gelernt, mit verletzenden Urteilen zu leben. Sollten die nur reden. Ich wusste, was ich mir wert war.

„Sitzenbleiben“ – das Wort ist meist negativ besetzt. Wir schätzen nur das Weiterkommen, den Erfolg, nicht die gewonnene Lebenszeit. Wer sitzen bleibt, gilt schnell auch als der, der zurück bleibt, nicht mitkommt. Doch wohin wollen wir?

„Ich weiß zwar nicht, wohin ich will, dafür bin ich schneller dort“ sagen wir dann spöttisch. Doch je länger ich darüber nachdenke und mit mir lebe, desto sympathischer wird mir das Sitzenbleiben. Sollen die anderen doch weiter rennen oder schneller fertig sein. Vielleicht wartet gerade in einer Ehrenrunde meine Chance. Vielleicht bin ich, wenn ich warte, im Wartezimmer zum Glück. Jesus sagt: Die ersten werden die letzten und die letzen werden die ersten sein. Also Sitzenbleiben!